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ADBeV empfiehlt:

Kriminalromane von Peter Märkert, Bewährungshelfer in Bochum

Wir, der Verlag, möchten sie auf die beiden Kriminalromane von Peter Märkert, der als Bewährungshelfer in Bochum arbeitet, aufmerksam machen. Aus seinen Büchern sprechen die Erfahrungen eines Bewährungshelfers, der zeigt, wie vielschichtig die Schuldumstände von Straftätern sein können. Es sind Ergebnisse genauer, sensibler Beobachtungen, nicht herzuleiten aus den Inhalten psychologischer Lehrwerke. Peter Märkert hat dank seiner tiefen Einblicke ins Straftätermilieu und ins Justizwesen kenntnisreiche und spannende Romane geschrieben, bei denen oft die eigentlichen Straftaten zugunsten der menschlichen Schicksale, sowohl die der Täter, als auch die der Verdächtigen und Opfer in den Hintergrund zu treten scheinen.

Märkert, Peter: Unter die Räder gekommen

Kriminalroman, Neuerscheinung Bochum 2015, ISBN 978-3-8196-1016-5, kart. 19 x 12cm 272 S. € 12,90 (ebook € 6,99)

Kristof Driesen wird nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft in der Bochumer Altstadt erschossen. Gibt es einen Zusammenhang mit seinen Überfällen? Oder dem heftigen Streit in der Familie? Hauptkommissar Kramer erhofft sich Unterstützung bei Marie Marler, die als Bewährungshelferin Kristofs Freunde betreut. Sie erfährt von einem zurückliegenden Missbrauch. Sensibel und behutsam hat Peter Märkert dieses schlimme und heikle Thema zum Ausgangspunkt seines Kriminalromans „Unter die Räder gekommen“ gemacht. Er erzählt von Schuld und sich schuldig machen, durch Verdrängung, Raffgier und Ignoranz.

Er erzählt von Polizeiarbeit und sozialen Konflikten und Herausforderungen im Bereich der Bewährungshilfe.

Märkert, Peter: Schweigen ist Tod

Ein Ruhrgebietskrimi, Bochum 2012, ISBN 978-3-8196-0872-8, kart. 224 S. 18,5 x 12,5 cm. € 12,90 (ebook € 7,98)

Der Leser wird Zeuge, wie Bewährungshelfer Windich in seinem Büro ermordet wird. Aber wer steckt dahinter? Die Mordkommission erhofft sich Hinweise von Mitarbeitern und Klienten. Wir müssen sein Motiv verstehen», meint Hauptkommissar Kramer. Dagegen versucht der Täter jede Spur zu verwischen, die ihn belasten könnte. Schreckt dabei auch vor einem weiteren Mord nicht zurück.

Bei Interesse sind die Bücher oder ebooks gern über den Verlagsshop zu bestellen, wir liefern portofrei.

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Universitätsverlag Brockmeyer; Tel.: 0234 9791600; Fax: 0234 9791601

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Artikel aus der „Frankfurter Allgemeine“ vom 24.07.2015

Original zu finden unter: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/thomas-stiefel-hilft-kriminellen-jugendlichen-13709935.html

Kriminelle Jugendliche Ganoven mit Milchgesichtern

Wer zu Jugendbewährungshelfer Thomas Stiefel muss, hat schon einiges verbrochen. Zu ihm kommen Automatenknacker, Räuber, Erpresser und Diebe.

So sieht also ein Gangster aus. Milchgesicht, Bartfussel, Händedruck wie ein Waschlappen. Wer Marvin Tulek trifft, kann nicht glauben, dass sich der junge Mann – 18 Jahre, geboren in Offenbach, kein Schulabschluss, Hartz IV, Halbwaise, drei Geschwister, angeklagt in elf Punkten, verurteilt zu 18 Monaten auf Bewährung – in der Region einen unrühmlichen Namen als Automatenknacker gemacht hat. Wenn Tulek sich aufregt, und er regt sich
oft auf, beschwert er sich darüber, dass „immer nur isch, isch, isch an allem schuld“ sein soll.

Autor: Tobias Rösmann, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung. Folgen:

Thomas Stiefel seufzt. Er kennt das längst. Immer dieses Selbstmitleid. Dabei ist der 50 Jahre alte Jugendbewährunghelfer, der eine schwarze Armani-Brille trägt und Selbstgedrehte raucht, schon froh, wenn Tulek überhaupt einmal zu einem Gespräch in den Räumen der Bewährungshilfe Offenbach erscheint. Meistens sagt er kurzfristig ab. Ist krank. Fühlt sich schlapp. Will nicht. Von zehn Terminen seit seiner Verurteilung durch das Amtsgericht Offenbach Ende Februar hat er nur zwei wahrgenommen. Von 40 auferlegten Sozialstunden hat er keine einzige geleistet. Wenn das so weitergeht, wird Stiefel ihn melden müssen. Bewährungshelfer können ihren Probanden nur helfen, eine Arbeitsstelle, eine Wohnung, ein neues Umfeld zu finden, wenn sie sie wenigstens hin und wieder sehen. Deshalb lädt Stiefel sie regelmäßig in seine wöchentliche Sprechstunde ein. Alle sechs Monate muss er dem Gericht über die Lebensführung Bericht erstatten. Wer die Auflagen nicht erfüllt, zu denen der regelmäßige Besuch bei ihm zählt, riskiert die Bewährung. Und wer in der Zeit neue Straftaten begeht, fährt direkt wieder ein. Stiefel seufzt noch einmal. Vielleicht wäre es besser für Tulek, eine Weile in den Jugendarrest zu gehen. Da könnte er einen klaren Kopf kriegen.

Der Automatenknacker Tulek

Tuleks dokumentierte Karriere als Straftäter beginnt im Januar 2014. Da ist er 17, und seine Mutter sitzt seit anderthalb Jahren im Gefängnis. Eines Tages im August 2012 verkündete sie ihren Kindern, dass sie nun für zweieinhalb Jahre in den Knast müsse. Ihr Bruder werde sich kümmern. Ein paar Tage ging das gut. Dann kümmerte sich niemand mehr um die vier Kinder. Tulek, ohnehin kein einfacher Junge, driftete endgültig ab.

Seine Akte, die Stiefel wie alle Akten in einem Schrank verschließt, ist dick. Januar 2014: geknackter Automat an der Konstablerwache in Frankfurt, Warenwert 20 Euro, Schaden 300 Euro. Februar 2014: geknackter Automat, Warenwert 69 Euro, Schaden 700 Euro. Zwei Tage später: geknackter Automat an der S-Bahn in Obertshausen, Warenwert unklar, Schaden 800 Euro. September 2014: geknackter Automat an einer S-Bahn-Haltestelle in Offenbach, Warenwert unklar, Schaden 1400 Euro. Bis dahin hatte sich Tulek des Einbruchdiebstahls und des Diebstahls mit Waffen schuldig gemacht, weil er die Automaten mit einem Messer aufbrach.

Dann kommt der 2. November 2014. Marvin Tulek steht um 8.35 Uhr an der Frankfurter Hauptwache. Und knackt wieder einen Automaten. Später wird die Polizei ermitteln, dass er Waren und Wechselgeld in Höhe von 250 Euro entwendete, Schaden am Gerät: 1100 Euro. Doch diesmal, es ist ein Sonntagmorgen, spricht den Automaten-Serienknacker eine Frau an. Was er denn da mache, will sie wissen. Tulek gefällt das nicht. Er bedroht sie mit einem Schweizer Offiziersmesser, fordert sie auf, zu verschwinden. Dann flieht er vom Tatort, wird aber wenig später gefasst. Nicht zuletzt, weil er die Frau mit einer Waffe bedroht hat, bekommt er 18 Monate auf Bewährung.

Jugendkriminalität ist männlich

Nach einem Beratungsgespräch mit einem jungen Mann wie Tulek geht Thomas Stiefel erst einmal eine rauchen. Etwa 80 Probanden betreut der Diplom-Sozialpädagoge zur selben Zeit. Viele Akten, viele Schicksale, viele Ausreden. Etliche Probanden sind von vorneherein zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Doch die meisten, die der Landesbeamte betreut, waren im Knast, bevor ein Rest ihrer Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er sagt: „Mir ist lieber, die haben noch eine Reststrafe, dann habe ich was, mit dem ich drohen kann.“

Die Jugendkriminalität ist männlich. 95 Prozent der Probanden in Stiefels Akten sind Herren. Die Hälfte ist höchstens 21 Jahre alt. In dem Alter endet eigentlich die Anwendung des Jugendgerichtsgesetzes, aber durch Berufungsverhandlungen sind manche am Ende deutlich älter. 60 Prozent der Leute in Stiefels Akten sind Deutsche, 15 Prozent sind Türken. Einen Migrationshintergrund weist die Statistik nicht aus. Mehr als die Hälfte wohnt noch bei den Eltern. Knapp die Hälfte stammt aus Offenbach, die übrigen kommen aus dem Landkreis, für den die Bewährungshilfe Offenbach ebenfalls zuständig ist. Ein Einziger hat Abitur, die meisten haben keinen Abschluss, oder sie haben keine Angaben gemacht. Nur zwei sind in Vollzeit unbefristet beschäftigt, viele sind arbeitslos. Die häufigsten Straftaten: Diebstahl und Unterschlagung, Raub und Erpressung, Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit.

Die Tat aber nicht den Täter ächten

Stiefel kann seinen typischen hessischen Kunden präzise beschreiben. Mit 14: Diebstahl im Kaufhaus – zum ersten Mal vor dem Jugendrichter – Ermahnung. Mit 15: Handy „abrippen“, räuberische Erpressung beziehungsweise Raub – Arbeitsstunden. Mit 16: kiffen, dealen, erpressen – Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, räuberische Erpressung – Jugendarrest in Gelnhausen. Der Jugendarrest, der auch Warnschuss-Arrest heißt, ist Knast light. Es gibt Gitter, es gibt Uniformen, Handys und Zigaretten sind verboten. Stiefel sagt: „Das beeindruckt die, aber es beeindruckt sie nicht nachhaltig.“ Mit 17 oder 18 gibt es dann zum ersten Mal eine Jugendstrafe, je nach Delikt mit oder ohne Bewährung. Bekommen die Jugendlichen eine Bewährungsstrafe, verlassen manche das Gericht und erzählen ihren Kumpels feixend: „Boah, Freispruch.“

Angst vor den jungen Straftätern hat Stiefel nie. „Respekt ist der Schlüssel, mit dem man Zugang zu den Leuten findet.“ Er versucht, die Tat zu ächten, aber den Täter zu achten. Das ist nicht immer leicht. „Ich mache mir keine Illusionen, dass ich nicht jeden Tag angelogen werde. Aber sie können mir hier alles sagen.“

Die Akte Kaitonoglus

Auf dem Stuhl in Stiefels Zimmer sitzt nun Mustafa Kaitonoglu. Wie Marvin Tulek heißt er in Wahrheit anders. Seine erste Frage lautet: „Wird das lange dauern heute?“ Stiefel verdreht die Augen. Er will dem jungen Mann helfen, aber der sieht in der Sprechstunde bloß eine lästige Pflicht. Geboren wurde Kaitonoglu im August 1993, die Brustmuskeln unter dem engen Shirt sind deutlich zu erkennen. Viel reden mag er nicht. Kaitonoglu trägt Dreitagebart, die braunen Augen blicken sanft. „Wie läuft’s?“, will Stiefel wissen. „Gut.“ – „Arbeit?“ – „Ja.“ – „Wohnung?“ – „Zu Hause.“ Wieder verdreht der Bewährungshelfer die Augen. Die Straftäter sollen möglichst schnell ihre alte Umgebung, ihr altes Milieu hinter sich lassen. Neue Freunde, neue Chance. Doch das gelingt nur selten.

Kaitonoglus Akte ist sehr dick, dicker als die von Marvin Tulek. 2008: Diebstahl, Körperverletzung, Beförderungserschleichung. 2008: Diebstahl, schwerer Diebstahl in mehreren Fällen. 2009: Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. 2010: gemeinschaftlicher schwerer Raub in Tateinheit mit Freiheitsberaubung. Zusammen mit anderen bedroht er einen Drogenabhängigen in dessen Wohnung mit einer Schreckschusspistole. Später sperren sie das Opfer im Bad ein. Dann nehmen sie einen Laptop, ein Handy, Schmuck, Uhren, ein Feuerzeug und eine angebrochene Marlboro-Packung mit. Weil Kaitonoglu als Drahtzieher gilt und „Vorbelastungen“ hat, hält ein Gericht nunmehr eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung für „erzieherisch dringend erforderlich“.

„Der erzieherischen Beeinflussung entwachsen“

Kaitonoglu ist nicht beeindruckt. Grenzen hat ihm noch nie jemand gesetzt. Warum soll er sich jetzt an Regeln halten? Weil er seine Arbeitsstunden nicht leistet, verlängert das Gericht die Bewährungszeit. Während die noch läuft, bricht Kaitonoglu, der aus einem eher soliden Elternhaus stammt, im August 2011 nachts in eine Bäckerei-Filiale ein. Er schiebt eine Tür gewaltsam auf. Beute: eine Trinkgelddose mit 30 Euro. „Kam uns gelegen wegen Tank.“ Wenig später nimmt ihn die Polizei durch einen Zufall in der Nähe des Tatorts fest.

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Diesmal gibt es keine Bewährung mehr für den Dauerstraftäter. Kaitonoglu wird zu zwei Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt. Aber auch das beeindruckt ihn nicht. Im Jugendvollzug in Rockenberg hält er sich nicht an die Regeln, verschläft dauernd, nimmt den Ausbildungsplatz nicht ernst und schlägt auch sonst alle Förderangebote aus. Deshalb wird er im April 2014, noch keine 21 Jahre alt, in den Erwachsenenvollzug nach Darmstadt überstellt. Er sei „der erzieherischen Beeinflussung entwachsen“, heißt es zur Begründung.

Kaitonoglu ist auch das ganz recht. „Im Erwachsenenvollzug kann man einfach sitzen. Man hat seine Ruhe“, erzählt er in Stiefels Büro. Seit Oktober 2014 ist er wieder in Freiheit. Er hat eine Stelle bei einer Zeitarbeitsfirma. Termine mit dem Bewährungshelfer hält er ein. Und für den Schaden an der Bäckerei-Tür will er aufkommen. Warum er den ganzen Mist früher gemacht hat, weiß er selbst nicht so richtig. Er denkt kurz nach. Dann sagt er: „Ich war einfach blöd damals. Dumme Geschichten.“

 

Presse – Zweidrittel aller Bewährungszeiten erfolgreich Donau-Kurier 1999