Potsdam, 23.12.2015

Sehr geehrte Kolleginnen, Sehr geehrter Kollegen,

auch dieses Jahr erlaube ich mir, Ihnen im Namen des Geschäftsführenden Bundesvorstandes der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer e. V., dem Berufs- und Fachverband der ambulanten Sozialen Dienste der Justiz und für Resozialisierung, alles Gute, vor allem Gesundheit und Gelassenheit, zum Jahreswechsel und für das neue Jahr für Sie persönlich und Ihre Familienangehörigen zu wünschen.

Dass sich dem Ende neigende Jahr hat uns den Landessprecher der LAG Brandenburg und mir einen Freund entrissen … und wenn ich in mich hineinhöre und den Äußerungen meines Umfeldes folge, hatten wir gefühlt, ein wuchtiges und ereignisreiches Jahr. Es scheint, als wenn die Welt aus den Angeln geraten ist, wie man hier zu sagen pflegt…Sie ist es wohl aber nicht, weil sie schon immer so ungerecht und selbstzerstörerisch angelegt war, nur haben wir es so direkt wohl noch nicht erlebt und spüren nun, dass irgendetwas nicht stimmt auf dieser Welt. Ich würde Sie dennoch und deshalb ermuntern wollen, sich nicht verrückt, aber ein wenig sensibler zu machen und darum bitten, die Dinge zu hinterfragen, damit wir Anderen die Zusammenhänge erklären können, warum es Krieg und Terror gibt, Menschen flüchten müssen oder Menschen bei ihrer Flucht vor Urlaubsparadiesen  ertrinken, warum es in Deutschland wieder verstärkt zu Ausländerhass kommt und dieser in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein erscheint, warum engagierte und solidarische Menschen bedroht werden, warum unsere sogenannten Eliten in Politik und Wirtschaft nicht in der Lage zu sein scheinen oder Willens, auf die Anforderungen dieser Zeit im Interesse der Mehrheit der Menschen angemessene Lösungen anzustreben.

Hoffnungsvoll hat es mich gemacht, dass mir die Kinder meiner Hausgemeinschaft in diesem Jahr das schönste Geburtstagsgeschenk überreicht haben. Diese hatten am Nachmittag auf der Straße ihr nicht mehr genutztes Spielzeug und kleine gefertigte Bilder in der Nachbarschaft verkauft, um den Erlös für die Flüchtlingskinder zu spenden. Am Abend haben sie mir 27,90 € mit der Bitte überreicht, dass Geld entsprechend weiterzuleiten…Deswegen bin ich überzeugt, dass die Welt erklärbar ist und die Erklärung angenommen wird, wenn man sich darum bemüht…denn TEILEN MACHT SATT! 

Auch wenn dieses Jahr als ein schwieriges Jahr charakterisiert werden wird, war es für die ADBeV und den mit ihr verbundenen Landesverbänden wieder ein überzeugendes an Selbstbewusstsein und berufspolitisch erfolgreiches Jahr, wo administrativ herbeigeführte Fehler korrigiert oder verhindert wurden. 

Mitte des Jahres konnte die LAG Rheinland-Pfalz den Erfolg vermelden, wonach alle im Parlament von Rheinland-Pfalz vertretenen Parteien mit ihrem gemeinsamen Entschließungsantrag u. a. gefordert haben, dass die Trennung von Bewährungs- und Gerichtshilfe beibehalten bleibt, dass kollegiale Sprechermodell in der Bewährungshilfe fortgeführt werden und die Schaffung eines zentralen Landesamtes für Soziale Dienste der Justiz für erledigt erklärt werden soll.

Im Juli des vergangenen Jahres erklärte das Justizministerium in Baden-Württemberg, dass die Gerichts- und Bewährungshilfe wieder in die staatliche Trägerschaft zurückgeführt wird und damit das Kapitel der Privatisierung für erledigt erklärt wurde.

Und Anfang Dezember fand im Hessischen Landtag die parlamentarische Anhörung im Rechtsausschuss zur Zukunft der Bewährungshilfe statt, wo es insbesondere um die Einführung der sogenannten Risikoorientierten Bewährungshilfe ging. Im Ergebnis dieser Anhörung werden die Koalitionspartner von CDU und Grünen einen Arbeitskreis bilden, welcher im Januar tagen wird. Zudem beschäftigt sich der Gesamtpersonalrat (HPR) beim  Hessischen Justizministerium ebenfalls mit dem Thema der Anhörung.

Dass alle diese Ereignisse stattfinden konnten und nun auch bereits teilweise im Interesse der Mehrheit der Kollegenschaft entschieden wurde, beruht auf dem außerordentlichen Engagement der ehrenamtlich organisierten Kollegenschaft und besonders natürlich, auf die gewählten Vorstandskolleginnen und Kollegen in den einzelnen Bundesländern. Auch wenn deren Einsatz teilweise bis an die Grenze des Machbaren reichte, zeigen die Ergebnisse deutlich auf, dass es sich lohnt für die eigenen Interessen einzusetzen und sich dafür auseinanderzusetzen. Dafür Respekt und Anerkennung sowie einen großen Dank!

Stolz macht es auch, dass sich engagierte Kolleginnen und Kollegen bereit erklärten für neue Landesvorstände in Hamburg, Brandenburg und dem Saarland die Verantwortung zu übernehmen und wir mit deren Unterstützung somit auch im kommenden Jahr wieder in der Lage sein werden, kraftvoll die Interessen großer Teile der Kollegenschaft zu vertreten und durchzusetzen.

Erfolg hat viele Helfer. Wir die Mitglieder des Geschäftsführenden Bundesvorstandes wissen dieses zu schätzen und danken Allen, die sich tatkräftig daran beteiligt haben, so u. a. beispielsweise in Thüringen bei der Erarbeitung einer Dienstpostenbewertung mit dem Ergebnis, die Einheitslaufbahn für Beamte zu fordern oder auch in Hessen, wo sehr intensiv an der Entwicklung neuer Standards gearbeitet wurde. 

Ausdrücklich soll an dieser Stelle aber auch Herrn Prof. Dr. Bohrhardt gewürdigt werden, der uns inzwischen zum wahren Freund wurde und unsere Anliegen ausnahmslos unentgeltlich und mit großen Einsatz unterstützte und begleitete. Deshalb auch unser aufrichtiger Dank und symbolisch eine tiefe Verbeugung..

Zum Ende dieses Jahresgrußes laden wir Sie selbstverständlich auch wieder dazu ein, die Landesverbände oder den Bundesverband mit Ihrer Unterstützung weiter zu entwickeln, zu stärken und souveräner zu machen. Wir bitten Sie auch, für unser Agieren unter der Kollegenschaft zu werben und neue kreative und engagierte Kolleginnen und Kollegen zur Mitarbeit zu gewinnen, damit wir auch in Zukunft weiter so erfolgreich agieren können. Wir laden deshalb bereits an dieser Stelle zu unserer 13. Bundestagung vom 3. bis 5. Juni 2016 nach Hamburg ein und würden uns freuen Sie dort begrüßen zu können. 

Möge das kommende Jahr für uns Alle ein friedlicheres, konfliktfreieres und erfolgreiches Jahr werden. In diesem Sinne verbleibe ich mit besten und kollegialen Grüßen 

Holger Gebert

Bundesvorsitzender